Übers Dranbleiben | Erzählbar Blog

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Die Euphorie des Anfangs ist ein unwiderstehlicher Motor. Aber wie gehe ich mit der Ernüchterung durch Hindernisse, Langeweile und Selbstzweifel um?

„Mach’s einfach!“ Der nächste Schritt im Projekt wird schon seit längerer Zeit umkreist, man kennt bereits jede Theorie zur Umsetzung auswendig – und trotzdem bleibt das Blatt Papier weiß. Oder man muss sich jetzt akut um ein unheimlich wichtiges Thema (meistens Facebook) kümmern. Oder die Fenster gehören geputzt. Nur noch schnell dieser eine Anruf zuerst. Ach, und ich wollte ja eigentlich noch ein E-Mail schreiben!
Und so weiter.
Und während der Tag mit zweifellos wichtiger Produktivität zuneige geht, wiegt das „einfach“ in „Mach’s einfach!“ plötzlich doppelt so schwer.

Beneidenswert sind jene Künstler und Gründer, deren Idee sie so in den Bann zieht, dass sie alles wie im Fluss erleben und erst in der Rückschau merken, dass sie schon längst begonnen haben, schon längst mittendrin sind, die Arbeit scheinbar ohne große Anstrengung von der Hand geht.*

Künstler entwickeln jedoch im Laufe der Jahre ihre Strategien, um Niederlagen, Rückschläge und Blockaden (möglichst schnell) zu verarbeiten. Die Hindernisse zu umgehen. Mit Motivationsschwierigkeiten und (Selbst-)Kritik umzugehen. Einige dieser auf alle Kunstbereiche anwendbaren Methoden und Strategien dienen auch Gründern zur Inspiration.

  1. Übung hilft

„Practicing is training; practicing is meditation and therapy. But before any of these, practicing is a story you tell yourself, a bildungsroman, a tale of education and self-realization. For the fingers as for the mind, practicing is an imaginative, imaginary arc, a journey, a voyage. You must feel you are moving forward. But it is the story that leads you on.“ Der Autor Glenn Kurtz über das Üben.

  1. Auf den Prozess konzentrieren und nicht aufs Ergebnis

Gerade zu Beginn einer Unternehmung fehlt Selbständigen oft noch die Erfahrung abschätzen zu können, wie viel Zeit und Energie in gewisse Projekte fließen werden und welcher Gewinn daraus entstehen wird. Man erliegt dem Eindruck, mit möglichst wenig Umwegen, möglichst wenig Investition, das (finanzielle und produktive) Maximum erreichen zu müssen.

Aber nicht alles scheint auf den ersten Blick Nutzen zu bringen – ist es deshalb gleich unwichtig? Nicht wert, angegangen zu werden?

Erfolg und Bestleistung setzen sich aus vielen Puzzleteilen zusammen, die man oftmals noch nicht von Anfang an erkennen kann. Manchmal ist es daher ratsam, sich schlichtweg auf den Prozess der Arbeit zu konzentrieren und die Bewertung dieser sowie das mögliche Ziel so gut wie möglich außer Acht zu lassen. Das nennt sich die „Seinfeld Methode“.

  1. Kreativtechniken anwenden

Im Jahr 1993 brachte Julia Cameron ihren Bestseller „The Artist’s Way“ heraus (mittlerweile gibt es auch eine an die heutige Zeit angepasste Neuauflage) – eine Anleitung dafür, mit sich selbst und seiner kreativen Arbeit ins Reine zu kommen, sich aus der Negativspirale, in die man von Selbstzweifeln und Kritik gedrängt wurde, zu befreien. Eine der bekanntesten Strategien daraus, ist das Verfassen von „Morning Pages“, also das morgendliche Aufschreiben von Gedanken und Gefühlen auf mehreren Seiten: „Based on the belief that writing out three pages of free-form writing, in longhand, each morning, will unclog one’s mental and emotional channels of all the muck that gets in the way of being happy, productive, and creative.”

  1. Rituale

So wie das Verfassen von “Morning Pages” das Hirn von lästigem Ballast befreien kann und durch die Wiederholung der Übung eingefahrene Denkmuster durchbricht, sind Rituale eine bewährte Methode für mehr Konzentration auf das Wesentliche. Je weniger sich das Hirn mit Alltäglichem und damit einhergehend mit einer Vielzahl an Entscheidungen abkämpfen muss, desto mehr Energie bleibt für Ideen und Muße übrig. „By making your morning routine a habit you can conserve your willpower for other more important activities. President Obama famously limits his suit and tie choices so he doesn’t deplete willpower deciding what to wear.“ Man muss dafür übrigens kein Frühaufsteher sein.

  1. Die Phase der Prokrastination nutzen

Geübte (und selbstkritische) Prokrastinierer erkennen ihr Verhalten selbst: Der häufigere Griff zum Telefon, um irgendwelche Feeds zu checken. Der plötzliche (und ausgesprochen unübliche) Drang, den Geschirrspüler auszuräumen. Oder das dringende Bedürfnis jemanden anzurufen, den man ohne weiteres auch erst in ein paar Stunden kontaktieren könnte. Prokrastinieren ist ein Fluch, den man jedoch ohne weiteres für sich nutzen kann. Wenn gerade alles wichtiger erscheint als die einzige Aufgabe, die man tatsächlich erledigen sollte, empfiehlt sich eine Mischung aus Anerkennung und Disziplin, um die Phase zu überwinden: Angefangen von einem Zeitlimit, innerhalb dessen man sich das Nicht-Erledigen zugesteht, bis hin zu sportlichen Aktivitäten.

  1. Es geht vorbei

Jedes Tief, jeder Anflug von Selbstzweifel, jede Müdigkeitsattacke geht zu Ende.
Meistens früher als später.

 


* Das Österreichische Literaturmuseum widmet sich übrigens gerade in einer – sehr sehenswerten – Sonderausstellung dem „Rausch des Schreibens“.

 

 

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